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10.10.17

LOOKBOOK: BRACHMANN

Am 19. Mai 1845 stachen unter Führung des britischen Polarforschers Sir John Franklin 133 wagemutige Männer in See, um erstmalig die arktische Nordwestpassage zu durchsegeln. Inspiriert von der damals falschen Theorie vom eisfreien Nordpolarmeer hofften sie, unsterblichen Entdeckerruhm im kanadisch-arktischen Archipel zu erringen. Erst 2014 wurde das Flagschiff der tragisch endenden Expedition, die HMS Erebus, und 2016 ihr Schwesterschiff, die HMS Terror, auf dem Meeresgrund der Kanadischen Arktis gefunden. Wo sich 1846/47 schier unüberwindliches Packeis auftürmte, passieren seit dem Sommer 2008 Kreuzfahrtschiffe. Die falsche Theorie des eisfreien Nordpolarmeers wandelte sich in eine Prophezeiung. Explorer’s Hope.

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Diese irre Geschichte betrachten Jennifer Brachmann und ihr Partner Olaf Kranz jedoch abstrahiert. Es geht nicht um das schrecklichen Ende der Explorer, sondern darum, dass Exploration allgemein eine condition humana ist, ihre Art in der Welt zu sein, und daneben auch die Seinsweise im Design: Brachmann erreicht Designs auf fast unergründlichen, mäandernden Wegen – neben der Fülle an anderen Assoziationen, wie Wagemut und Risiko, Naivität, Klimawandel etc.

 

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Geschossen wurde das Lookbook im Erzgebirge in rauher Natur, im Schwarzwassertal um genau zu sein:

“Da die Assoziationen Explorer = Natur aber zu nahe liegen, haben wir uns für das Konzept entschieden, mit dem Kontrast von Künstlichkeit und Natürlichkeit zu spielen: Wir kreieren in der Natur auf künstliche Weise eine künstliche Studiosituation. Die Fotowand ergibt in der Interaktion mit den Felsen oft ehe grafisch zu nennende Collagen. Die Natur ist dabei eher der Kontext der Produktion. Man sieht die Natur quasi als einen abstrakten Kontext, der lediglich die Produktionsbedingung des Lookbooks zeigt. Man holt nicht die Fototapete ins Studio, sondern das Studio in die Natur. Die Szenerie erwischt die Explorer beim Aufbrauch ins Unbekannte, wenn sie voller jugendlichem Wagemut, Energie und Naivität einen Weg zu beschreiten beginnen, auf dem sie auf Unerwartetes als Herausforderung treffen, wobei sie sich sicher sind, diese Herausforderungen, obwohl unbekannt, auch meistern zu können.

 

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Das gesamte Lookbook können Sie hier ansehen.

 

Credits:

Photo: Thies Streifinger
Styling: Hercules Terres
H & M: Christiane Buchholz