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07.04.17

JULIA ZIMMERMANN ÜBER DIE FERTIGUNG IHRER SCHMUCKSTÜCKE

Aus welchen Materialien fertigst Du Deine Schmuckstücke?

Wir arbeiten ausschließlich mit echten Materialien – Sterling Silber und 22ct Gold. In unseren Kollektionen wird viel mit handwerklichen Details gespielt, wie beispielsweise handgefeilten Ösen und wild gefassten „Steinen”, die aus purem Gold und Silber gesägt sind. Ich finde beide Materialien sind durchaus vereinbar. Die Steine werden mit einer „scheinbaren Unregelmäßigkeit“ gefasst und geben den Arbeiten Lebendigkeit und Seele.

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“In meiner neuen Kollektion verwende ich schwarze und graue Diamanten”

 

Nach welchen Kriterien suchst Du die Materialien aus beziehungsweise auf was muss geachtet werden?

Wir achten darauf, dass wir mit fairem Gold arbeiten. Das heißt wir beziehen unser Gold von Firmen, die durch den RJC (Responsible Jewellery Council) geprüft wurden. Die Quelle des Altgolds muss immer nachgewiesen werden und grundsätzlich wird kein Minengold angenommen. Dadurch geht die Goldförderung zurück und die Umwelt wird wesentlich weniger durch Giftstoffe wie Quecksilber oder Arsen belastet.

Alle von uns bezogenen Materialien werden hier in Europa nach sauberen und modernsten Methoden recycelt.

 

Wo produzierst Du Deine Stücke?

In unserem Atelier in München. Ich arbeite mit einer Hand voll Goldschmieden zusammen. Zuerst wird immer ein Prototyp gebaut und dann ein Produktionsmuster, an das sich alle halten.

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Wie kann man sich den eigentlichen Schaffungsprozess vorstellen?

Natürlich beginnt alles mit der Inspiration. Es gibt so vieles was mich inspiriert: Eine Situation, ein Lied und Künstler wie David Bowie oder auch Patti Smith.

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Bei der Arbeit zu meiner letzten Kollektion hat mich Pina Bauschs Bild- und Bewegungssprache extrem fasziniert. In einem Interview 2012 sagte sie einmal: „Meine Stücke entstehen nicht von vorne nach hinten, sondern von innen nach außen.“ Diese Aussage hat mich sehr bewegt, weil ich das ähnlich empfinde. Wenn ich ein Gefühl habe, dass ich transportieren will, suche ich nach Formen. Zu Beginn ist eigentlich alles erst mal sehr chaotisch.

Außerdem zeichne ich nicht. Ich baue gleich Modelle und probiere alles aus. Beim Schaffungsprozess bin ich auf das Thema Hände und Bewegung gestoßen. Die Hände werden in Wachs modelliert, dann in Silber abgegossen und überfeilt, um sowohl der Form als auch der Oberfläche Lebendigkeit zu verleihen. Ich arbeite viel mit fließenden Übergängen einzelner Elemente und langen Silhouetten. Jede Kette, jede Öse muss passen – das ist wie eine Sucht. Ich mag es, wenn Schmuckstücke sich unterschiedlich tragen lassen und sich der Person sowie dem Körper anpassen.

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Diese Kette z.B. kann in den verschiedensten Längen um den Hals getragen werden. Punkig, schlicht oder alternativ auch als Armband. Mit Pinas Worten geht es „um etwas indem wir uns treffen können.“

 

Wie sehen die genauen Schritte aus? Was wird mit welchem Handwerkszeug gemacht?

Das ist ganz unterschiedlich. Es hängt natürlich davon ab, an welchem Stück wir gerade arbeiten. Wir verwenden ganz klassisches Goldschmiedewerkzeug wie Feilnagel, Fell, Sägen, Feilen, Walzen, Eisen, Ringriegel, Hämmer und Fräser. Im Grunde genommen wie vor 100 Jahren.

Ringriegel in mm Abstufung zur Herstellung diverser Ösen

Ringriegel in mm Abstufung zur Herstellung diverser Ösen

Rekristallisationsglühen

Rekristallisationsglühen

Stempeln des Feingehalts

Stempeln des Feingehalts

 

Die Grundform der Hände z.B ist modelliert und das Modell wird zum Gießen gegeben. Wir arbeiten mit einer Schmuckgussfirma zusammen, die bereits seit knapp 50 Jahren besteht. Diese stellt unsere Gummiformen her, die zur Vervielfältigung der Formen benutzt werden.

Gussformen

Gussformen

 

Die Silber-Rohgüsse werden im Anschluß überfeilt und zu fertigen Schmuckstücken verarbeitet.

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Bei den Kreationen sorgt ein Oxidationsverfahren für Kontraste aus tiefem Schwarz und feinem Silber sowie einen authentisch wirkenden Vintage-Look, der den Schmuck zeitlos werden lässt.

 

 

Photocredit: Julia Zimmermann

Grafik: NOWADAYS