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23.07.17

DIE GESCHICHTE DES HUMBOLDT FORUM IM BERLINER SCHLOSS TEIL 4

Bis zu seiner starken Beschädigung im Zweiten Weltkrieg, der Sprengung durch die Machthaber der DDR und die Jahre der Teilung der Stadt entwickelte sich das Berliner Schloss mehr als 500 Jahre lang zum architektonischen Mittelpunkt der heutigen Hauptstadt. Es war Symbol und geschichtsträchtiger Schauplatz bedeutender Ereignisse. Mit seiner Wiedererrichtung als Humboldt Forum wird das Schloss zu einem offenen Zentrum gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, an dem die Dialektik von Zukunft und Vergangenheit so deutlich spürbar ist wie an keinem anderen historischen Ort in der Mitte Berlins. DER BERLINER MODE SALON erzählt im Rahmen einer Sonntagslektüre die vielschichtige und ereignisreiche Geschichte des Berliner Schlosses und greift die aktuellen Entwicklungen bis zum heutigen Humboldt Forum in einem vierteiligen Beitrag auf.

 

Teil 4/4:  Die Person Alexander von Humboldt

Schon zu Lebzeiten wurde er als der „zweite Kolumbus“, der „wissenschaftliche Wiederentdecker Amerikas“ oder der „neue Aristoteles“ betitelt und gefeiert. Heute sind unter anderem eine Bucht, ein Berg und gar eine Meeresströmung nach ihm benannt. Der Name Alexander von Humboldt ist wohl, ebenso wie der seines älteren Bruders Wilhelm, jedem ein Begriff. Er gilt als Universalgenie und einer der bekanntesten Deutschen.

Alexander von Humboldt 1806, Quelle

Alexander von Humboldt 1806, Quelle

 

Jugend, Studium und Staatsdienst

Der spätere Naturforscher und Weltenbummler Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt wurde 1769 in Berlin geboren und wuchs in Schloss Tegel auf. Neben seinen Verdiensten für die Biologie, wurde er als Begründer der empirischen Geographie bekannt. Nach seinem Studium der Staatswirtschaftslehre, der Naturwissenschaften und der Anatomie, arbeitete von Humboldt zunächst als Ingenieur im Bergbau und machte schnell Karriere im Staatsdienst. Nebenbei befasste er sich unter anderem mit der Pflanzenwelt untertage sowie den chemischen Verbrennungen. Er entwickelte beispielsweise den Vorläufer der Atemschutzmaske und verbesserte die Grubenlampen für Bergleute nachhaltig. Als er den preußischen König 1795 um Entlassung bat, hatte er den Bergbau quasi revolutioniert.

 

Zwei große Expeditionen

Doch erst als seine Mutter im Jahr darauf verstarb, konnte von Humboldt sich mit Hilfe des Erbes den Jugendtraum von Forschungsreisen um die Welt verwirklichen. Drei Jahre sollte seine Planung und Vorbereitung für die große Expedition andauern. In dieser Zeit nutzte er jede sich bietende Möglichkeit zur Vertiefung seiner Kenntnisse durch den persönlichen Kontakt zu führenden Astronomen, Botanikern und Zoologen seiner Zeit. Humboldts Netzwerk war entscheidend. Dank seiner offenen Art fiel es ihm erstaunlich leicht mit Wissenschaftlern aus der ganzen Welt Freundschaft zu schließen. Dieser eng vernetzte Austausch war ihm enorm wichtig – da er an verschiedenen Disziplinen gleichzeitig arbeitete, war er zu meist auf die Expertise einer Koryphäe eines bestimmten Fachbereichs angewiesen.

Die Wissenschaftsmetropole Paris wurde im Mai 1798 zur zweiten Heimat von Humboldt, dort festigte er in Debatten und Vorträgen seine Reputation als renommierter und angesehener Wissenschaftler.

Forschungsreise, Quelle

Forschungsreise (1799-1804), Quelle

 

Zwischen 1799 und 1804 begab er sich auf seine alles entscheidende amerikanische Forschungsreise: Er durchquerte die Gebiete der heutigen Staaten Venezuelas, Kolumbiens, Ecuadors, Perus, Mexikos und Kubas bevor er die große Amerika Expedition mit einem Besuch in den USA abschloss. Aufgrund seiner intensiven Reisekorrespondenz, genoss von Humboldt höchste wissenschaftliche Anerkennung und residierte beispielsweise drei Wochen als Gast des amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson. Ähnlich imposant wie seine Reiserouten sind die Mengen an Messdaten sowie botanischen und geographischen Proben, die er im Laufe sammelte. Er beschäftigte sich mit einer unfassbaren Vielzahl von Forschungsgebieten: Von Erdmagnetismus über Botanik, Zoologie, Ethnologie, Vulkanologie, Kartografie, Wirtschaft, Landwirtschaft und Bergbau bis hin zu Meteorologie und Meeresbiologie. Noch nie hatte ein Privatmann eine solche Forschungsreise aus eigenen Mitteln bestritten. Sein Vermögen hatte sich um ein Drittel vermindert und sein zwischen 1805 und 1839 publiziertes 34-bändiges Reisewerk, das unvollendet blieb, ruinierte ihn finanziell.

 

Seine zweite große Expedition führte den Universalist 1929 während seines 60. Geburtstags nach Russland. Obwohl die Route von St. Petersburg zum Ural durch die russische Regierung vorgegeben war, konnte von Humboldt kleine Änderungen vornehmen und dadurch bis zur chinesischen Grenze vordringen. Seine primären Interessen galten dem Klima, der Geologie und des Erdmagnetismus.

 

Alexander von Humboldt 1843, Quelle

Alexander von Humboldt 1843, Quelle

 

Der Weltbürger Alexander von Humboldt

Humboldts Weltbild war stets von den Idealen der Aufklärung geprägt. Seine Überzeugung besagt, dass alle Menschen gleichermaßen zur Vernunft begabt sind. Es gibt weder hohe, noch niedrige Menschenrassen, nur Unterschiede in Bildung und Kultur. Die Sklaverei und den Umgang mit den Ureinwohnern Amerikas kritisierte er scharf. Sein Glaube an den ständigen Fortschritt in Wissenschaft und Politik, der zur Ausbildung einer rechtlich-sozial egalitären Gesellschaft führen wird, blieb unerschütterlich.

 

Bis zu seinem Tod arbeitete das Universalgenie an seinem Lebenswerk, dem „Kosmos“, in dem er das gesamte Wissen über die Welt vereinen wollte: „Ich habe den tollen Einfall, die ganze materielle Welt, alles, was wir heute von den Erscheinungen der Himmelsräume und des Erdlebens, von den Nebensternen bis zur Geographie der Mose auf den Granitfelsen wissen, alles in einem Werk darzustellen, und in einem Werke, das zugleich in lebendiger Sprache anregt und damit das Gemüt ergözt.“

 

Am 6. Mai 1859 verstarb Alexander von Humboldt in Berlin. Die dortige Alexander Humboldt Universität ist nach ihm benannt. Gleichzeitig fungieren er und sein Bruder Wilhelm als Paten des Humboldt Forums im Berliner Schloss.

 

Lesen Sie auch:

Teil 1/4: Das Schloss zur Zeit der Kurfürsten, Könige und Kaiser

Teil 2/4: Entwicklungen nach dem Fall der Mauer

Teil 3/4: Die Wiedererrichtung des Schlosses als Humboldt Forum