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16.07.17

DIE GESCHICHTE DES HUMBOLDT FORUM IM BERLINER SCHLOSS TEIL 3

Bis zu seiner starken Beschädigung im Zweiten Weltkrieg, der Sprengung durch die Machthaber der DDR und die Jahre der Teilung der Stadt entwickelte sich das Berliner Schloss mehr als 500 Jahre lang zum architektonischen Mittelpunkt der heutigen Hauptstadt. Es war Symbol und geschichtsträchtiger Schauplatz bedeutender Ereignisse. Mit seiner Wiedererrichtung als Humboldt Forum wird das Schloss zu einem offenen Zentrum gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, an dem die Dialektik von Zukunft und Vergangenheit so deutlich spürbar ist wie an keinem anderen historischen Ort in der Mitte Berlins. DER BERLINER MODE SALON erzählt im Rahmen einer Sonntagslektüre die vielschichtige und ereignisreiche Geschichte des Berliner Schlosses und greift die aktuellen Entwicklungen bis zum heutigen Humboldt Forum in einem vierteiligen Beitrag auf.

 

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Teil 3/4: Die Wiedererrichtung des Schlosses als Humboldt Forum

 

Mit dem Humboldt Forum im Berliner Schloss wird in demokratischer Tradition dieser historische Ort in der Mitte der deutschen Hauptstadt zu einem offenen Zentrum gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Hier ist die vielschichtige und ereignisreiche deutsche Geschichte mit der Wiedererrichtung des Berliner Schlosses erfahrbar, hier wird sie mit dem Humboldt Forum in einen neuen zukunftsweisenden Kontext eingebunden.

 

Nun wird die innerste Mitte der Stadt selbst mit dem Humboldt Forum wieder baulich gefasst und gestaltet. Und es ist keine Verlegenheitslösung, sondern eine besonders anspruchsvolle Herausforderung, dass dieser kulturelle Neubau in Gestalt eines Altbaus entsteht. Dafür gab und gibt es viele gute Gründe, die denn auch fast zwanzig Jahre lang diskutiert wurden. Nicht nur erhalten alle umliegenden historischen Gebäude ihre maßstäblichen und inhaltlichen Bezugspunkte wieder zurück: die protestantische Staatskirche mit dem Berliner Dom ebenso wie die preußisch­bürgerliche Kultur mit der Museumsinsel. Nein, wichtiger noch, die historische Mitte Berlins wird überhaupt als solche wieder kenntlich gemacht und ernst genommen, nach ihrer fast vollständigen Ausradierung durch Krieg und Abrisswut im Nachkriegsdeutschland, nach Jahrzehnten der Spaltung und Teilung der Stadt.

 

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Neubau und historische Architektur in der Gestaltung des Schlüterhofs vereint

 

Die Dialektik von Zukunft und Vergangenheit, die notwendigerweise nie endende Beschäftigung der Deutschen mit ihrer Geschichte wie mit ihrer Rolle in einer Zeit der Globalisierung, das spiegelt sich in diesem ‚historischen Neubau’ mit seinem deutlichen Gegensatz von geschichtsbezogener Architektur und in die Zukunft gerichtetem Programm. Diese Art der Wiederaneignung eines nicht unumstrittenen historischen Erbes formuliert einen besonderen Anspruch. Ein moderner, aber dadurch auch geschichtsloser Neubau würde diesem Ort in der Mitte der Hauptstadt mit allen seinen historischen Bezügen nicht gerecht. Es ist geradezu den Deutschen aufgetragen, bei einem solchen neuen Kulturbauvorhaben für die Zukunftsthemen der Globalisierung und der Weltkulturen immer auch die überlieferte Vergangenheit mit in den Blick zu nehmen.

Berlin und das Humboldt Forum – das passt zusammen. Nicht nur, weil wenige Meter vom heutigen Bauplatz entfernt, in der Humboldt-Universität, die Gebrüder Humboldt schon Anfang des 19. Jahrhunderts die Neugier auf die Welt lehrten. Sondern auch, weil das, was das Humboldt Forum sein will, in Berlin längst Realität ist. Menschen aus aller Welt leben hier, nehmen teil am hiesigen urbanen Leben, bereichern und diversifizieren es mit ihren Kulturen, Lebensweisen und Forschungen. Berlin, das ist längst die internationale Metropole, die Humboldts Geist ins Heute weiterträgt.

 

11 JUN 2016, BERLIN/GERMANY: Tag der offenen Baustelle, Stiftung Humbold Forum im Berliner Schloss, Baustelle Berliner Schloss IMAGE: 20160611-01

Detail der wiedererrichteten Fassade | Foto: SHF, Marco Urban 

 

Die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss ist die Bauherrin, Eigentümerin und zukünftige Betreiberin des Humboldt Forums im Berliner Schloss. Sie koordiniert die Interessen der Akteure im Humboldt Forum, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Stadt Berlin und der Humboldt­Universität zu Berlin. Mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung steuert die Stiftung die Planung der Architekten und Fachingenieure und die Baudurchführung. Der dreiköpfige Vorstand der Stiftung besteht aus Johannes Wien (Vorstand und Sprecher), Lavinia Frey (Vorstand Kultur) und Hans­Dieter Hegner (Vorstand Bau).

Zur Entwicklung des inhaltlichen Programms und zur Vorbereitung des kulturellen Betriebs hat die Stiftung eine Tochtergesellschaft, die Humboldt Forum Kultur GmbH, gegründet, die in ihrem Auftrag tätig ist. Die Gründungsintendanten Neil MacGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp übernehmen dabei die kuratorische Gesamtverantwortung für das Humboldt Forum im Berliner Schloss.

 

Die Gründungsintendanten des Humboldt Forums Horst Bredekamp, Herrmann Parzinger und Neil MacGregor zusammen mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters. © Foto: David von Becker

Die Gründungsintendanten des Humboldt Forums Horst Bredekamp, Herrmann Parzinger und Neil MacGregor zusammen mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters. | Foto: David von Becker

 

Neil MacGregor studierte Philosophie, Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte in Paris, Edinburgh, London und Oxford. Er lehrte Kunstgeschichte und Architektur an der University of Reading und war bis 1987 Herausgeber des Burlington Magazine in London. Anschließend leitete er die National Gallery in London. Ab 2002 stand er dem British Museum in London als Direktor vor. 2014 kuratierte er die Ausstellung Germany – Memories of a Nation, die auch im Martin-Gropius-Bau mit dem Titel »Der Britischer Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation«, gezeigt wurde. 2015 wurde er zum Leiter der Gründungsintendanz für das Humboldt Forum berufen. Der Kunsthistoriker erhielt zahlreiche Auszeichnungen; zuletzt wurde er mit dem Friedrich- Gundolf-Preis, dem Deutschen Nationalpreis und der Goethe-Medaille 2015 ausgezeichnet.

 

Lesen Sie auch:

Teil 1/4: Das Schloss zur Zeit der Kurfürsten, Könige und Kaiser

Teil 2/4: Entwicklungen nach dem Fall der Mauer