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09.07.17

DIE GESCHICHTE DES HUMBOLDT FORUM IM BERLINER SCHLOSS TEIL 2

Bis zu seiner starken Beschädigung im Zweiten Weltkrieg, der Sprengung durch die Machthaber der DDR und die Jahre der Teilung der Stadt entwickelte sich das Berliner Schloss mehr als 500 Jahre lang zum architektonischen Mittelpunkt der heutigen Hauptstadt. Es war Symbol und geschichtsträchtiger Schauplatz bedeutender Ereignisse. Mit seiner Wiedererrichtung als Humboldt Forum wird es erneut zu einem offenen Zentrum gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, an dem die Dialektik von Zukunft und Vergangenheit so deutlich spürbar ist wie an keinem anderen historischen Ort in der Mitte Berlins. DER BERLINER MODE SALON erzählt im Rahmen einer Sonntagslektüre die vielschichtige und ereignisreiche Geschichte des Schlosses und greift die aktuellen Entwicklungen bis zum heutigen Humboldt Forum in einem vierteiligen Beitrag auf.

 

Teil 2/4: Entwicklungen nach dem Fall der Mauer

 

Trotz der starken Beschädigung im Zuge des Zweiten Weltkrieges konnten die erhaltenen Räume bald nach Kriegsende für Ausstellungen genutzt werden, beispielsweise für eine Schau des Architekten Hans Scharoun im Jahr 1946 über die städtebaulichen Planungen des Wiederaufbaus Berlins.

Die politisch motivierte Sprengung des Schlosses auf Geheiß des DDR-­Staatsratsvorsitzenden und SED-­Parteichef Walter Ulbricht, am 7. September 1950, beendete die Geschichte des Berliner Schlosses vorerst.

 

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Der Berliner Palast der Republik | Foto: Denis Apel, flyingpixel.de, Wikipedia

 

Der Palast der Republik

Die freigewordene Fläche wurde zunächst als Fest­ und Aufmarschplatz für die Massenkundgebungen der DDR genutzt. Unter den zahlreichen Planungen für den Ausbau von Ost­Berlin als Hauptstadt der DDR gab es auch Vorschläge für Hochhäuser im Stil der Stalin’schen Prachtbauten von Warschau und Moskau, die aber nie realisiert wurden. Erst mehr als 20 Jahre nach der Sprengung des Schlosses wurde mit dem Bau des Palastes der Republik als Sitz der Volkskammer der DDR sowie Konzerthalle und Kulturhaus begonnen. Der Entwurf stammte von Heinz Graffunder, dem Chefarchitekten und Leiter des Entwurfskollektivs. Am 23. April 1976 wurde der Palast der Republik feierlich eröffnet. Das große Gebäude erhielt durch seine Restaurants und Bars auch den Charakter eines Volkshauses, das viele Bürger der DDR positiv in Erinnerung behielten. An diesem geschichtsträchtigen Ort stimmte die erste frei gewählte Volkskammer im Palast der Republik dem Einigungsvertrag zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland am 23. August 1990 zu.

Nach Protesten der Beschäftigten wegen der Gesundheitsgefährdung durch die Asbestbelastung wurde hier auch die Schließung des Palastes von der Volkskammer noch zu Zeiten der DDR beschlossen. Da das Gebäude durch die Asbestsanierung bis auf den Rohbau abgetragen werden musste, beschloss der Deutsche Bundestag schließlich den Abriss, welcher 2008 abgeschlossen wurde.

Die technisch zwingenden Gründe für Schließung und Abriss des Palastes wurden schon früh durch die Schlossdebatte überlagert. Wilhelm von Boddien hatte diese Idee zusammen mit York Stuhlemmer 1993/94 durch die 1:1 ­ Simulation der Schlossfassaden eindrucksvoll in die Welt gesetzt.

 

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Zweifel, Palast der Republik, 2005 | Foto: Jula2812

 

Zwischennutzung

Die entkernte Hülle des Palastes der Republik bot verschiedenen Künstlern und Eventmanagern eine spannende Kulisse für unterschiedlichste Performances und Veranstaltungsideen. Das reichte von der Jahrestagung einer Unternehmensberatungsgesellschaft bis zur Flutung des Gebäudes, um mit Booten zwischen den Stahlträgern zu navigieren. In einer anderen spektakulären Kunstaktion wurde auf dem Dach des Palastes in weit sichtbaren Großbuchstaben das Wort ZWEIFEL angebracht. Dies alles zeigt einmal mehr, wie bedeutungsgeladen der Ort ist, an dem das Berliner Schloss | Humboldtforum entsteht.

 

 

Die „Schlossplatzwiese“

Von 2008 bis zum Beginn der Tiefbauarbeiten für das neue alte Berliner Schloss 2012 hatte die Stadt Berlin auf der ehemaligen „Palastwanne“, dem verbliebenen Fundament des Palastes der Republik, eine große Wiese angelegt. Mit Holzstegen war sie zurückhaltend landschaftlich gestaltet. Gleich nebenan unternahm das Landesdenkmalamt in dieser Zeit zwischen Werderschem Markt und Rathausstraße umfangreiche archäologische Grabungen vor und nutzte damit die Zeit vor Beginn der Baumaßnahmen für das Berliner Schloss | Humboldtforum. Ein Teil der dabei entdeckten Reste des alten Schlosses wird später in das Museum der Geschichte des Ortes einbezogen. Die entdeckten Kellerräume in der ehemaligen südwestlichen Gebäudeecke des Schlosses werden dabei als ‚Archäologisches Fenster’ für Besucher begehbar gemacht.

 

 

Lesen Sie auch:

Teil 1/4: Das Schloss zur Zeit der Kurfürsten, Könige und Kaiser

 

 

Startseitenbild: Berlin, Palast der Republik, April 1986 | Foto: Peter Heinz Junge, Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst – Zentralbild (Bild 183)