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16.04.17

DIE GESCHICHTE DER LUXUSMEILE KU’DAMM TEIL 1

In seiner mehr als 130jährigen Geschichte war der Kurfürstendamm mehr als nur eine erfolgreiche Einkaufsstraße auf der sich bekannte Modenamen wie Chanel, Gucci, Louis Vuitton oder Hermès aneinanderreihen. Er ist ein Symbol. Ein lebendiges Stück deutscher und vor allem auch Berliner Geschichte. Doch war er nicht immer Schaufenster des Westens: Er musste auch Hass, Fanatismus und Zerstörung ertragen. DER BERLINER MODE SALON erzählt im Rahmen einer Sonntagslektüre die Geschichte der bekanntesten Luxusmeile Deutschlands in einem sechsteiligen Beitrag.

 

Teil 1/6 – Wie alles begann

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Jagdschloss Grunewald, Gemälde von Wilhelm Barth, 1832 (Quelle)

 

Auf einer Karte von 1685 wurde der „Churfürstendamm“ erstmals erwähnt. Sein Name beschreibt tatsächlich seine reale Funktion. Als der Tiergarten als fürstliches Jagdrevier zu klein wurde, ließ Kurfürst Joachim II 1542 im Grunewald das Jagdschloss „Zum grünen Wald“ erbauen. Im Zuge dessen wurde ein befestigter Verbindungsweg vom Berliner Schloss errichtet – der heutige Kurfürstendamm.

 

Entwicklungen im Kaiserreich (1886–1918)

„Dann würde der Grunewald etwa für Berlin der Bois de Boulogne, und die Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin in einer Breite wie die Elysäischen Felder durchaus nicht zu groß bemessen sein.“ – Otto von Bismarck über den Kurfürstendamm 1873

 

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Proklamation Kaiser Wilhelms I. (Gründung des Deutschen Reichs) am 18. Januar 1871 mit Otto von Bismarck in weißer Kürassieruniform im Spiegelsaal von Versailles, Gemälde von Anton von Werner (Quelle)

 

Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin zunehmend als europäische Metropole. Nach der Gründung der Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles kehrte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck 1871 nach Berlin zurück – mit der Idee im Kopf aus dem sandigen Knüppeldamm einen repräsentativen Boulevard nach Vorbild der Champs-Elysée errichten zu lassen. Der Ausbau und somit die Geburtsstunde des Kurfürstendamms begann 1886. Mit der Eröffnung der Dampfstraßenbahn im selben Jahr entwickelte sich der Boulevard in rasantem Tempo. Es entstanden prächtige, staatliche Miethäuser mit hochherrschaftlichen Wohnungen und prunkvollen Stuckfassaden.

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Einweihungsfeier der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin am 1. September 1895 (Quelle)

 

Auch Kaiser Wilhelm II wollte mehr als nur eine Wohn-und Prachtstraße erbauen und so ließ er in Erinnerung an seinen Großvater die Kaiser-Willhelm-Gedächtnis-Kirche errichten, die 1895 eingeweiht wurde und die das Zentrum des „Neuen Westens“ markieren sollte. Die Kirche wurde auf Wunsch des Kaisers im neoromanischen Baustil errichtet ebenso sollte das gesamte Areal als romanisches Forum erbaut werden. Bereits 1896 wurde das erste romanische Haus fertiggestellt, in das später der Gloria Palast einziehen sollte. Fünf Jahre später wurden die Bauarbeiten am zweiten romanischen Haus beendet, das später das legendäre Romanische Café beherbergen sollte. Es galt als Treffpunkt für renommierte Schriftsteller, Maler, Schauspieler, Regisseure, Journalisten und Kritiker. Heute zeugt einzig der 1915 errichtete Rundbau des Kaiserecks vom romanischen Baustils. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kurfürstendamm schlagartig zur City-Metropole. Hier versammelte sich die intellektuelle Avantgarde.

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Romanisches Café im Erdgeschoss des Romanischen Hauses, an dessen Stelle sich das heutige Europa-Center befindet (Quelle)

 

Kaiserreich traf auf Moderne.

Das Café des Westens – von Kritikern auch Café Größenwahn genannt – erlangte internationale Berühmtheit. Hier trafen sich künstlerische und literarische Größen wie Richard Strauß, Frank Wedekind oder Carl Sternheim. Auch die internationale moderne Kunstszene fand schnell gefallen an der Metropole Berlin im Allgemeinen und am Kurfürstendamm im Speziellen. In der Sommerausstellung 1912 beispielsweis zeigte Pablo Picasso seine Werke erstmals in Deutschland und das im neuen Ausstellungsgebäude am Kurfürstendamm.

Um die Jahrhundertwende entstanden also unzählige Vergnügungslokale, Kinos, Geschäfte, Theater, Kabaretts und Cafés. Der nach dem Vorbild von Coney Island in New York entstandene Lunapark zählte bereits 1910 seinen millionsten Besucher.

Am 21. März eröffnete Adolf Jandorf das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) mit durchschlagendem und überwältigendem Erfolg. Im Zuge dessen folgten ihm viele Traditionsbetriebe aus der alten Mitte Berlins um neue modernere, glamourösere und internationalere Modefilialen im Westen zu eröffnen.

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KaDeWe – Kaufhaus des Westens, 1907, Fotograf unbekannt (Quelle)

 

Hauptquelle: Karl-Heinz Metzger, Der Kurfürstendamm – Boulevard & Symbol, in: Berlin.de