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28.03.18

DER SCHUH, DER ALLE MODELS ZIERT – EIN GESPRÄCH MIT FRITZ UNÜTZER

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Unternehmer und Firmengründer Fritz Unützer

 

Herr Unützer, Ihr Vater eröffnete drei Jahre nach dem Krieg eines der ersten Modegeschäfte in München. Mit welchen Herausforderungen hatte Ihr Vater zu kämpfen und welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Ich habe zunächst wenig Erinnerung daran, bei der Eröffnung war ich ein Jahr alt. Aber später, Anfang der 50er Jahre erinnere ich mich an ein immer volles Geschäft und daran, dass meine Eltern stets sehr spät nach Hause kamen.

Die Herausforderung war, in einer vorgegebenen Stilrichtung hochwertige Bekleidung zu finden. So war es notwendigschnell im Ausland die richtigen Geschäftskontakte zu knüpfen und aufzubauen. Bereits 1949 importierten wir aus Israel die ersten Niki Pullover.

 

Wann genau wurde Ihre Leidenschaft für Schuhe geweckt?

Ich war 20 als ich bei Church’ s in England das Schuhhandwerk gelernt habe. Danach hospitierte ich bei John Lobb.  Es hat mich von Beginn an fasziniert, wie handgemachte Schuhe entstehen, mit welcher Präzision, Ausdauer und Liebe zum Detail jeder Handgriff vorgenommen wird. Wie sorgfältig die besten Materialien ausgewählt und behandelt wurden. Als ich dann mein erstes Paar John Lobb Schuhe –  an denen ich selbst mitgearbeitet habe –  tragen durfte, hat mich die Schuhleidenschaft nicht mehr losgelassen.

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Burberry bat Sie im zarten Alter von 22 Jahren darum, einen ihrer Läden in der Münchner Maximilianstraße zu leiten. Als Burburry absagte, übernahmen Sie jenen Store kurzerhand selbst. Gemeinsam mit Ihrem Bruder lancierten Sie das ‚English House‘ – ein damals revolutionäres Konzept.   

Es war Ende der 60er Jahre. Mary Quand und Twiggy waren hipp, England war führend in der Avantgarde.  Die Konzeptidee haben wir aus London mitgebracht. Alles war sehr modern, in weiß gehalten, offen gestaltete Räume ohne Verkaufstheke, die Kunden konnten die Teile anfassen und den Look selbst zusammenstellen. Heute selbstverständlich, damals absolut neu.

Als wir 1969 eröffneten, gab es aber nicht viele internationale Modemarken und diese haben ihre Kollektionen meist nur an die eigenen Geschäfte geliefert. Daher waren wir gezwungen und inspiriert zugleich, eigene Designs zu entwickeln. So haben wir z.B. in Italien Chinos und Jeans in 24 Farben entwickeln und in Schottland die dazu passenden Shetland sowie Kaschmirpullover herstellen lassen.

Wir hatten auch eine große Schuhabteilung mit Alden, Church’s  – 2 x pro Jahr Maßanfertigungen im Haus mit John Lobb – und haben auch damals schon eigene Schuhe in Italien anfertigen lassen.

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Ende der 80er Jahre haben Sie recht spontan die heutige Unützer Fabrik im italienischen Fosso erworben. Was ist das Besondere an dieser Manufaktur?

Das Besondere aus heutiger Sicht ist, dass ein Hersteller seine Schuhe ausschließlich im eigenen Betrieb entwickelt, herstellt und vermarktet. Das ist weltweit inzwischen sehr selten.

 

Unützer steht für Eleganz, Klarheit im Design und vor allem für höchstes Niveau bei der Herstellung, die keine Kompromisse kennt. Die exklusiven Schuhe werden in ca. 100 Schritten handgefertigt.

Vom Aussuchen des Materials, der Kontrolle auf Qualität und Farbnuancen bis zur Endabnahme eines Schuhes sind wie gesagt mindestens 100 Arbeitsgänge notwendig. Jedes Paar wird einzeln nach einer Vorlage aus Pappe zugeschnitten, von Hand über den Leisten gezogen, das Oberleder in Handarbeit genäht. Geschickte Finger bringen das Modell auf Hochglanz, Sohlen und Absätze werden selbst gemacht. Die Produktion wirkt wie ein menschliches Fließband, an dem jeder Handwerker ein Detail ausführt und dann den Schuh weiterreicht.

Wie genau ein Schuh des Traditionsunternehmens entsteht, können Sie hier lesen.

Wie genau ein Ballerina des Traditionsunternehmens entsteht, können Sie hier lesen.

 

Das klassische Ballerina-Modell ist das Aushängeschild Unützers. Ist er nach wie vor Ihr erfolgreichster Schuh?

Ballerinas sind ein fester Bestandteil in jeder UNÜTZER Kollektion. In vielen Farb- und unzähligen Materialvarianten ist der Schuhklassiker der Inbegriff des universellen und für jeden Anlass passenden Schuhtyps. Ballerinas vereinen Eleganz mit Bequemlichkeit. Im Büro, beim Shopping oder abends an der Bar, die flachen Alleskönner sind überall das passende Schuhwerk. Sogar auf dem roten Teppich. Heute trägt ein Model wie Karlie Kloss Ballerinas zur großen Robe. Müsste man sich nur für eine Art von Schuhen entscheiden, sollten es Ballerinas sein.

Aber zwischenzeitlich gehören natürlich Pumps, Sandalen, Loafer, Stiefeletten, Stiefel und auch Sneaker ebenfalls in alle unsere Kollektionen. Wir möchten unserer Kundin einen sichereren Auftritt von früh bis spät und für jede Gelegenheit bieten.

 

Jedes dieser Modelle wurde bereits auf dem Laufsteg präsentiert. Sei es bei Talbot Runhof oder Nobi Talai in Paris, während des Odeeh Défilés im imposanten Rohbau des Berliner Schlosses oder bei der Präsentation von Rianna + Nina im Garten des Kronprinzenpalais. 

 

Die gebürtige Paraguyanerin Mariela Schwarz Montiel ist seit einigen Jahren Designchefin. Inwieweit sind Sie persönlich in den Designprozess eingebunden?

Ich bin sehr eingebunden. Von der Idee bis zum fertigen Schuh. Ein guter Schuh darf nicht nur gut aussehen, sondern muss auch perfekt passen.

 

Unützer ist fester Bestandteil des BERLINER SALON – ja, wenn nicht sogar der Berlin Fashion Week, denn was viele vielleicht nicht wissen: Ihre Modelle zieren die Füße vieler Runway-Models während der Modewoche. 2016 haben Sie sogar ein Geschäft in der Berliner Giesebrechtstraße eröffnet. Was macht die Modeszene der deutschen Hauptstadt so spannend für eine Traditionsmarke wie Unützer? Wenn auch aus Unternehmersicht.

Berlin ist unsere Hauptstadt, und das jetzt ja schon seit 1989 – übrigens so lange gibt es auch UNÜTZER Schuhe.  Im Jahr der Wende habe ich die Fabrik in Fossó Nahe Venedig erworben und die erste Kollektion vorgestellt.

Für mich ist es selbstverständlich, dass auch der Puls der deutschen Mode in der Hauptstadt schlägt. Als sich die Gelegenheit des frei gewordenen Ladenlokals in der Giesebrechtstraße ergeben hat, habe ich mir die Gegend angesehen, mir gefiel es dort gut und ich habe ohne lange zu zögern “Ja” gesagt.  Nach München und Hamburg gibt es jetzt auch in Berlin ein Unützer Geschäft, eine logische Konsequenz, die mich nun öfter in die Hauptstadt führt.

Talbot Runhof FS 18

Talbot Runhof FS 18

Odeeh HW 2017

Odeeh HW 17/18

Rianna + Nina HW 18/19

Rianna + Nina HW 18/19

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Odeeh HW 17/18

Talbot Runhof

Talbot Runhof HW 17/18

Perret Schaad HW 18/19

Perret Schaad HW 18/19

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Talbot Runhof HW 18/19

Lou de Bétoly

Lou de Bétoly FS 18

 

 

 

Photocredit: PR Unützer