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10.05.17

DBMS DESIGNER TALK: STIEBICH & RIETH

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Julia, Detlef, Ihr arbeitet schon seit geraumer Zeit in der Modebranche, ward für Wunderkind und Bogner tätig und habt gemeinsam für das Label Joop! designt. Ihr kennt einander seit über 20 Jahren. 2012 habt ihr den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt – und könnt Euch immer noch leiden…

Ja, wir kennen uns seit 1994! Seitdem arbeiten wir zusammen, zwischendurch haben sich unsere Wege mal getrennt, als Julia in der Schweiz gearbeitet hat. 2005 haben wir mit zwei weiteren Designern das ‚Design Office Germany‘ (DOG), ein Designbüro, gegründet. Als Agentur haben wir für viele Unternehmen Kollektionen (Schuhe, Taschen, Accessoires, etc.) entworfen.
 2012 kam dann der Punkt an dem wir eine eigene Kollektion entwickeln wollten. Es sollten auf jeden Fall Handtaschen sein. Detlef hat angefangen in Leder zu schneiden und wir haben versucht eine Sprache zu finden. 
Es hat ein Jahr gedauert, dann waren wir soweit und hatten unsere Signatur entwickelt: Klare Formen, eine moderne Sprache, handgenäht, ein limitiertes Produkt.

Der Prozess war ganz anders, als wir ihn kannten, wir haben nichts mehr gezeichnet, nur noch dreidimensional gearbeitet.
 Zudem haben wir bewusst Betriebe in unserer Nähe ausgesucht, die eine erstklassige Handarbeit garantieren konnten. Alle Schritte erfolgen per Hand – das ist ‚slow fashion‘. Die Liebe und die Zeit, die unsere Taschen in Anspruch nehmen, bedeuten, dass jede Tasche ist ein handgefertigtes Einzelstück ist.

 

Wer übernimmt bei Euch den Design- und wer den Schaffensprozess?

Der Design- und der Schaffensprozess sind untrennbar bei uns. Ebenso wie die ganze Arbeit hinter dem Produkt – alles ist ein Gesamtprodukt. Wir haben uns so strukturiert, dass alle wichtigen Prozesse gemeinsam erarbeitet werden und dann jeder seiner Wege geht und alles für eine reibungslose Umsetzung tut. Neben der Produktentwicklung und -beschaffung stehen auch Verkaufs- und PR-Aktivitäten und das ganze Back-Up. Zum Glück haben wir mittlerweile ein größeres Team an festen und freien Mitarbeitern mit den unterschiedlichsten Kompetenzen.

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Die erste Tasche, die Ihr gemeinsam auf den Markt gebracht habt, hieß Dolly. Aber nicht etwa wie Dolly, das erste geklonte Schaf?

Doch, genau das. Wir hatten einen Prototypen und wollten die Umsetzung in der Manufaktur testen.
 Noch hatten wir alles handgenäht und sind davon ausgegangen, dass wir das nicht so umsetzten können, aber genau das ist passiert. Die Manufaktur hat die ganze Tasche mit Sattlerstich handgenäht und wir konnten nicht erkennen, welche unserer Prototyp war und welche von der Manufaktur genäht wurde. Darum Dolly – das Klon-Schaf.

 

Der Bauhaus-Stil inspiriert Euch. Deutlich zu erkennen an Eurer Formsprache. Welche Inspirationen sind in die Herbst/Winter 2017/2018 Kollektion eingeflossen, die diesen Sommer auf den Markt kommt?

Unsere Inspiration ist immer die Form und was mit ihr möglich ist.
 Das Material gibt alles vor, da gibt es kein Pardon, wenn ein Schnitt nicht perfekt ist. Außerdem mögen wir keine überflüssigen Details.
 Alles muss funktionieren; die Kunst ist, dass ein Objekt dabei nicht an Schönheit einbüßt.

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Mit der Produktion von Taschen assoziiert man oft unbewusst Italien. Eure Entwürfe werden ausschließlich in deutschen Produktionsstätten, genauer gesagt in einer norddeutschen Manufaktur, gefertigt. Warum?

Wir haben früher viel für andere Marken in Italien umgesetzt.
 Die Italiener haben die perfekte ‚Hand‘ für Taschen, Schuhe, etc. An unser Produkt jedoch traute sich keiner richtig heran. Die Verarbeitung von Hand ist sehr anspruchsvoll und benötigt ganz andere Spezifikationen als sich die meisten Betriebe leisten konnten. In Deutschland gibt es genau zwei Manufakturen, die unsere Verarbeitung können, zufälligerweise ist eine davon ganz in der Nähe von Hamburg! 
Ein wichtiger Aspekt waren kurze Wege aufgrund unserer Erfahrungen mit Produktion in der ganzen Welt. 
Unser Leder kommt aus der Toskana, das ist die größte Distanz.
 Alles andere liegt im Umkreis von 100 km.

 

Das aus Italien stammende Leder wird vegetabil gegerbt. Ist das Eurer Beitrag zur Nachhaltigkeit und zum Umweltschutz?

Vegetabiles Leder hat ganz klar einen ökologischen Hintergrund – es ist jedoch produktionstechnisch herausfordernd.
Während chromgegerbtes Leder meist sehr regelmäßig aussieht, ist vegetabiles Leder sehr anspruchsvoll und exklusiv in der Verarbeitung. Nur einwandfreie Flächen werden für die außen sichtbaren Teile verwendet. Unregelmäßigkeiten, wie z.B Mückenstiche oder Striemen, die bei der Chromgerbung verschwinden würden, fallen dem Verschnitt zum Opfer bzw. werden ausschließlich innen verarbeitet. Der Lohn ist, vegetabiles Leder ist außergewöhnlich schön in der Farbtiefen, dem Duft und der Haptik!

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Unter dem Konzept „ODEEH & Friends“ sind Modelle im neuen ODEEH Store im Galerie-Viertel auf der Potsdamer Straße erhältlich. Wie kam es hierzu und wünscht Ihr Euch mehr solcher “Brands meets Brands“-Kooperationen?

Wir sind seit Beginn Fans von ODEEH, deren Entwicklung wir ab der ersten Saison verfolgt haben. Die Konsequenz dieser Marke ist einzigartig. Wir hatten das Glück, sie bereits zu kennen und wurden von Anfang an unterstützt. Dazu gehört auch die Kooperation in ihrem Store! Brand-meets-Brand Kooperationen sind wichtig, auch produktübergreifend, wie zum Beispiel mit Möbeldesignern. Wir wünschen uns auf jeden Fall weitere Kooperationen mit anderen interessanten Designern.

 

Photocredit: Stephan Abry für Stiebich & Rieth
Styling: Winnie Placzko
Grafik: NOWADAYS