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30.08.17

DBMS DESIGNER TALK: SMINFINITY

Sabine, bereits seit 1991 entwirfst Du Strickkollektionen unter anderem für ESCADA Sport oder Iris von Arnim. Vor drei Jahren hast Du dann Dein eigenes Label gegründet.

Wenn man für andere Brands entwirft, liegt die Kunst darin, die Entwürfe der Linie des Labels anzupassen und der Kollektion trotzdem etwas von der eigenen Handschrift mitzugeben. Das war für mich als Designerin auch jahrelang der Reiz. Mit SMINFINITY habe ich mir den Traum erfüllt, mich keiner vorgeschriebenen Richtung anpassen zu müssen, sondern eine Kollektion entwickeln zu können, die nur meinen eigenen Kriterien entspricht. Es war mir deshalb auch wichtig, das eigene Label ohne Fremdhilfe aufzubauen – um meine Linie vollkommen selbstbestimmt umsetzen zu können.

Dabei orientiere ich mich an dem, was ich selbst gern trage und worin ich meinen Freundeskreis sehe: Strick für moderne Frauen, die sich keinen fremden Zwängen unterwerfen, sondern sich selbstbewusst kleiden – lässig und bequem und gleichzeitig gut gestylt. Der Wohlfühlaspekt ist mir dabei ganz wichtig: Neben der guten Passform ist die Qualität dafür entscheidend – und Kaschmir ist das perfekte Material, um sich wie in einer zweiten Haut wohlzufühlen.

SMINFINITY Knitwear, Lookbook Autumn Winter 2017 / 2018, Hamburg Germany, Foto: Holger Stoehrmann, mail@stoehrmann.com, 0177-6302754

 

SMINFINITY – eine Zusammensetzung aus Deinen Initialen und dem Wort Infinity. Klingt nach einer spannenden Geschichte!

Das Unendlichkeitszeichen war schon immer eines meiner Lieblingssymbole. Für mein Label habe ich es sehr bewusst gewählt, weil es mein Anliegen ist, Kollektionen zu entwickeln, bei denen – im Sinne von Slow Fashion – die Themen Nachhaltigkeit und Beständigkeit groß geschrieben werden sollen. Nachhaltig bezüglich der Qualitäten, der Beschaffung und der ganzen Kollektionsidee. Ich möchte Styles kreieren, die viele Jahre Lieblingsstücke bleiben…

Und mit meinen Initialen erhält das Wort Infinity ein Stück Persönlichkeit und somit seine Einzigartigkeit.

 

SMINFINITY Knitwear Hamburg Germany, Lookbook Autumn Winter 2017 / 2018, Foto: Holger Stoehrmann, mail@stoehrmann.com, 0177-6302754

Die Liebe zum Purismus und die Sachlichkeit des Bauhaus-Stils sind Leitgedanken Deines Labels. Was inspiriert Dich zusätzlich?

Die Liebe für den Bauhaus-Stil habe ich schon zu Schulzeiten im Kunst-LK entdeckt und seitdem stetig vertieft. Auf Reisen Richtung Weimar und Dessau haben mich die Meisterhäuser, die Bauhaus-Schule und das Museum fasziniert und inspiriert. Besonders die Langlebigkeit, Beständigkeit – und damit auch Nachhaltigkeit – des heute immer noch modernen Bauhaus-Designs sind einmalig und mein Vorbild. Auch wenn es in der Mode vielleicht nicht in dem Maße möglich sein wird – es bleibt mein Traum etwas zu kreieren, das auch in 20 Jahren noch zeitgemäß ist.

Dazu inspirieren mich auch häufig Farbstimmungen aus der Natur – seien es die Sand- und Steintöne am Elbstrand oder der Blankeneser Himmel, der je nach Wetterlage in kräftigen oder grauen Nuancen changiert. Daneben interessieren mich die Bewegungen im modernen Design und der modernen Kunst.

Im Designprozess habe ich mir ein Scheuklappenprinzip bezüglich anderer Kollektionen angewöhnt. Natürlich spielen auch Markt-und Trendanalyse eine Rolle, aber ich möchte mich nicht beeinflussen lassen, sondern ziehe mich lieber in mein Studio zurück, um bei guter Musik und dem Blick ins Grüne meiner Linie treu zu bleiben.

SMINFINITY Knitwear, Lookbook Autumn Winter 2017 / 2018, Hamburg Germany, Foto: Holger Stoehrmann, mail@stoehrmann.com, 0177-6302754

 

Im Fokus Deines Schaffens steht Kaschmir. Woher rührt Deine Begeisterung, ja Deine Leidenschaft, für die Naturfaser?

Kaschmir – die Königin der Fasern – ist einfach einmalig: Auf bis zu 4000 Metern Höhe leben die Kaschmir-Ziegen in einem speziellen Klima, auf das ihr Haarkleid genau abgestimmt ist: Neben langem Deckhaar besitzen sie ein besonders feines, weiches Unterfell, das dicht am Körper besonders zart und warm ist. Die Kaschmirziegen werden nicht geschoren – sondern die Kaschmirwolle wird nur aus diesen kostbaren Haaren des Unterfells sorgfältig per Hand ausgekämmt, gesammelt und mit Fingerspitzengefühl sortiert. Eine Kaschmirziege liefert nur 100 bis 200 Gramm pro Jahr. Kaschmir ist im Vergleich zu allen anderen Wollfasern einzigartig fein und leicht – der Durchmesser einer Faser beträgt nur 15 – 19 Mikrometer, also circa 1/6tel des Durchmessers eines Menschenhaares!

Kaschmir wärmt hervorragend, wirkt temperaturausgleichend, ist knitterarm und nimmt Gerüche kaum auf. Da die Faser von Natur aus schmutzabweisend ist, sind beim Waschen keine hohen Temperaturen nötig, um Flecken und Schmutz zu entfernen. Die perfekten Zutaten für eine Wohlfühl-Faser!

Was mich immer wieder fasziniert, sind die unendlichen Möglichkeiten des Naturmaterials Kaschmir: aus einem feinen Faden kann alles entstehen – von superfeinem, hauchdünnem Strick bis zu grobem Handstrick, die Faser kann sich in ein Bändchen-, Cablé- oder Dochtgarn verwandeln, und über die Strukturen der Stricktechnik – ob als Doubleface, Cable oder Crochet – können wieder andere Charakterzüge der Naturfaser betont werden.

Und bei all dieser Vielseitigkeit bleibt Kaschmir immer ein einmaliges Wohlfühlmaterial.

SMINFINITY Knitwear, Lookbook Autumn Winter 2017 / 2018, Hamburg Germany, Foto: Holger Stoehrmann, mail@stoehrmann.com, 0177-6302754

 

Wie kann man sich den eigentlichen Kreativ- und Schaffungsprozess vorstellen? Sprich wie wird aus einem „einfachen“ Garn eine Kreation von SMINFINITY?

Der Prozess ist nach 25 Jahren in dem Beruf eine eingespielte Abfolge von Entwicklungsschritten: Um der Kollektion einen roten Faden zu geben, suche ich mir zunächst eine Thematik. Als nächstes entwickle ich das Farbkonzept. Daraufhin entstehen die Ideen für Strukturen und Oberflächen – dafür werden Swatches und Proben gestrickt, viele davon bei uns vor Ort. Das Spiel mit dem Garn steht dabei im Zentrum – einfädig, mehrfädig, in verschiedenen Strukturen …

Immer im Blick behalte ich dabei das Zusammenspiel zwischen Farbe, Garn und Oberfläche – denn manches Garn funktioniert in einigen Farben wunderbar, in anderen überhaupt nicht.

Erst wenn ich die Oberfläche, den eigenen Stoff, kreiert habe, entwickle ich die Silhouette, die Form, den eigentlichen Style.

SMINFINITY Knitwear Hamburg Germany, Foto: Holger Stoehrmann, mail@stoehrmann.com, 0177-6302754

 

Bei allen Lookbook-Shootings und auch bei der Gruppenausstellung des BERLINER MODE SALON arbeitest Du eng mit dem Model Babette Rasch. Verkörpert und versinnbildlicht sie SMINFINITY am Besten?

Babette ist eine kluge, bildhübsche und disziplinierte Frau – in unserer Zusammenarbeit harmonieren wir perfekt. Sie ist Model und Schauspielerin und supertalentiert – sie bringt die Stimmungen der Kollektion überzeugend rüber.Und wie in der gesamten Sminfinity-Philosophie spielt auch hier der Aspekt der Langlebigkeit wieder eine Rolle: Ganz bewusst entscheiden wir uns mit Babette für ein konstantes, beständiges Gesicht für unser Label.

Umso schöner, dass sich im Laufe der Jahre eine Freundschaft daraus entwickelt hat.

SMINFINITY beim DBMS, Der Berliner Mode Salon, 18.01.2017

 

 

 

Photocredit: Holger Stoehrmann for SMINFINITY
Grafik: NOWADAYS