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16.08.17

DBMS DESIGNER TALK: NINA KASTENS

Nina, vor gut drei Jahren hast Du Dein gleichnamiges Label gegründet. Was würdest Du anderen Jungdesignern empfehlen, die sich heute selbstständig machen wollen?

In jedem Fall machen! Wenn man einen langgehegten Wunsch der Selbstständigkeit hat, dann sollte man es zumindest ausprobieren. So war es auch bei mir – ich habe jahrelang davon geträumt selbstständig zu sein. Das es am Ende ein Schmucklabel wird, hätte ich vor fünf Jahren nicht gedacht. Die Leidenschaft zum Schmuckdesign und -handwerk habe ich eher zufällig neben meinem Masterstudium der BWL entdeckt und dann vertieft.

Für die Gründungsphase an sich würde ich Jungdesignern empfehlen sich viel Zeit zu nehmen. Es gibt so viele Dinge, die man gut durchdenken muss und das braucht Zeit. Bei mir ging es damals Schlag auf Schlag – was wirklich toll war – aber einige Dinge mussten dann im Nachhinein aufgearbeitet werden.

 

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In New York hast Du eine Goldschmiedelehre am renommierten jewelry trade school „Studio Jewelers Ltd“ absolviert. Inwiefern hat die Stadt Dich und Dein Label geprägt und beeinflusst?

Seit Abschluss meiner Ausbildung vor drei Jahren bin ich immer noch jedes Jahr einige Monate dort, um meine neuen Kollektionen zu entwickeln. Die kulturelle und ästhetische Vielfalt New Yorks ist einfach beeindruckend und inspiriert mich tagtäglich zu neuen Designs. Es gibt unzählige Ausstellungen aus denen man wählen kann – Architektur, Mode etc. Auch was das Arbeiten angeht, fällt es mir dort leichter, denn alle Zulieferer sowie Steinhändler usw. sind im Umkreis von zwei Straßen versammelt und man kann so viel flexibler und vor allem schneller an einem Projekt arbeiten ohne den kreativen Prozess zu unterbrechen.

 

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Im vergangenen Jahr hast Du Deine Fine Jewellery Line gelauncht. Wie kam es zu diesem Schritt?

Gold hat eine ganz besondere Wirkung auf mich. Nicht nur in Verbindung mit Diamanten hat es zudem eine wunderschöne Strahlkraft. Mit diesen Materialien zu arbeiten, war schon länger mein Wunsch. Insbesondere, da ich für Kunden häufig Einzelanfertigungen wie Ehe- und Verlobungsringe umsetze, war der Schritt zu einer kleinen Fine Jewelry Line naheliegend. Es gibt in dem Fine Jewelry Segment wenige cleane, moderne aber zeitlose Kollektionen. Genau hier positioniere ich mich. Weniger, dafür aber wertvollere Stücke besitzen. Ich denke dieser „Trend“ kommt auch im Schmuck an.

 

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Wie gehst Du an den eigentlichen Kreativ- und Schaffungsprozess heran?

Wie schon erwähnt gehe ich dafür immer für eine gewisse Zeit nach New York. Ich muss losgelöst vom Büroalltag sein, den dann meine Aushilfen managen. Erst dort kann ich mich komplett auf die Ideenfindung und die Designs fokussieren. Meistens sammeln sich im Laufe des Jahres schon viele Skizzen und Zeitschriften-Ausrisse in meinem Skizzenbuch an, das kann eine Form, eine Struktur oder ein Interiorobjekt sein. Diese Ideen sortiere ich und steige dann tiefer in die jeweiligen Formen ein. Recherchiere, besuche Museen etc.

 

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Auf Wunsch Deiner Kundinnen fertigst Du Deine Kreationen sogar aus sogenanntem Ökogold. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Allgemein ist in meinem gesamten Produktionsprozess die Rückgewinnung von Materialen ein wichtiger Bestandteil. Metallreste werden eingeschmolzen und so wiederverwertet. Mein Metalllieferant ist zertifiziertes Mitglied des „Responsible Jewellery Council“ und verpflichtet sich dadurch sämtliche ethischen, sozialen und umweltfreundlichen Verfahrenstechniken einzuhalten. Das „Ökogold“ besteht zu 100% aus recyceltem Gold, bei dem kein neues Gold aus Minen gefördert werden muss.

 

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Die Stilikone Emma Watson beispielsweise trägt Deine Kreationen so gerne, dass sie nun eine langfristige Kooperation angefragt haben soll…

Diese Kooperation kam über meine PR Agentur in London zustande. Stylisten fragen hier immer wieder für Celebrities an und so kam es auch, dass Emma Watson meinen Schmuck getragen hat. Dieser hat ihr so gut gefallen, dass über eine längerfristige Zusammenarbeit gesprochen wurde. Sie interessierte sich insbesondere über die Herkunft und Fertigungsprozesse des Schmucks, da ihr faire Bedingungen sehr wichtig sind. Ich bin gespannt welche Stücke ich bei ihr noch spotten werde.

 

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Im Rahmen des BERLINER MODE SALON hast Du Deine Kollektion „The Face“ präsentiert, die nicht nur wunderschön ist, sondern auch den Zeitgeist trifft. Was diente Dir als Inspirationsquelle und was inspiriert Dich generell?

THE FACE ist eine Auskopplung aus meiner neuen Kollektion PURE die im Oktober gelauncht wird. Skulpturen und Kunstwerke von Hans Arp haben mich zu dieser Kollektion inspiriert, in der ich Formen aus der Natur in sehr reduzierter Form dargestellt habe. Auch THE FACE ist eine reduzierte Darstellung in Form eines one- line-drawings. Inspirationen kamen hier aus dem Interior Design.

 

Photocredit: Nina Kastens

Grafik: NOWADAYS