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15.03.17

DBMS DESIGNER TALK: MAIAMI

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Maike, mit der Liebe zu Strick begann Deine Erfolgsgeschichte als Designerin. Als Du noch als Stylistin gearbeitet hast, hast Du in Deiner Freizeit häufig und gerne gestrickt. Aus dieser Leidenschaft heraus entstanden vor allem Pullover für Freunde, die sich durch besondere Motive auszeichneten. Kurz darauf sind die ersten Modefirmen auf Dich aufmerksam geworden, und 2004 hast Du Dein eigenes Label Maiami gegründet. Wie kam es zu dieser Entscheidung vor 13 Jahren?

Im Grunde genommen habe ich es nicht wirklich geplant ein Modelabel zu gründen. Ich habe Kommunikation studiert und bin in dieser Hinsicht Autodidakt. Designerin zu werden war also eher eine Entwicklung. Bereits im Kindesalter hat mich das Stricken fasziniert und ich habe es dann immer wieder für mich entdeckt. Das positive Feedback meiner Umgebung, das wachsende Interesse an meinen Entwürfen und die Nachfrage haben letztendlich den Impuls für meine Entscheidung, ein eigenes Label zu gründen, gegeben.

 

Maiami – ein Wortspiel aus Deinem Vornamen und der Stadt Miami. Klingt nach einer spannenden Geschichte!

Ich mochte den Kontrast zwischen der aufregenden, sonnigen Großstadt, mit viel Neon und handgemachten Designs aus weicher, warmer Wolle. Genau dafür steht Maiami letztendlich auch. Die Verknüpfung von Vintage und Innovation – die Kombination von Nostalgie und Modernität.

 

Feinste Handwerkskunst steht im Fokus Deiner Arbeiten: All Deine Entwürfe werden handgefertigt. Inzwischen hältst Du Kontakte zu Strickerinnen in ganz Europa, vor allem aber in Deutschland und Italien. Deine Musterkollektion strickst Du jedoch zum Teil nach wie vor selbst. Wie wichtig ist es Dir, Dich aktiv in den Schaffungsprozess einzubringen?

Der Kollektionsentwurf und die Kollektionsentwicklung ist das, was mir nach wie vor am meisten Spaß macht. Und für die Entwicklung ist es sehr wichtig an der Kollektion direkt mit zu arbeiten, da viele Ideen und Entwürfe in diesem Schaffungsprozess entstehen. Dabei kann ich mich entfalten und meiner Kreativität freien Lauf lassen.

 

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Deine Kollektionen sind außergewöhnlich und zeichnen sich durch moderne und urbane Ästhetik aus. Wo findest Du Inspiration für Deine Entwürfe?

Einen Großteil meiner Inspirationen finde ich in Filmen und Serien. Ich liebe es während des Strickens Filme zu schauen oder andersherum: während des Films eine Idee zu entwickeln und es dann Schritt für Schritt zu verwirklichen. Der globale Fundus aus Medien und der modernen Popkultur und alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Souvenirs, Werbung und Verpackungen sind weitere Quellen für meine Ideen u.a. für den Intarsienstrick und für die Auswahl der Motive. Insgesamt reizt mich die Kombination von traditioneller Handarbeit und Modernität. Das Ergebnis ist ein neuer und besonderer Stil, der den Gesamtlook der Marke bestimmt.

 

Generell fällt Deine Stoffauswahl ins Auge. Gerne nutzt Du Mohair und andere hochwertige Garne. Nach welchem Kriterium suchst Du diese aus und woher beziehst Du sie?

Ein Großteil unserer Garne stammt von Lieferanten aus Deutschland oder alternativ aus Österreich, Italien oder Spanien. Die hohe Qualität unserer Ressourcen steht an erster Stelle, an zweiter steht unbedingt die Farbauswahl. Maiami steht für Slow Fashion. Unsere Garne daher regional und aus Europa zu beziehen, ist dabei ein wichtiges Auswahlkriterium.

 

In Berlin-Prenzlauer Berg befindet sich Dein Atelier. Warum gerade die deutsche Hauptstadt und nicht eine andere Modemetropole?

Nun, ich wohne hier seit mehr als 20 Jahren – Berlin hat mich geprägt und schon immer inspiriert. Ich kann mir keinen besseren Sitz für mein Label oder für mich privat vorstellen. Auch wenn Berlin wächst und sich sehr verändert, bleibt eine gewisse Freiheit, Liberalität und ein Facettenreichtum. Sie machen den besonderen Charme dieser Stadt aus. Berlin inspiriert mich mit seinen Gegensätzen. Das Spiel mit Kontrasten, was ich sehr gerne mag, spiegelt sich in den Kollektionen und der Bildsprache von Maiami wider. Es sind natürlich auch die vielen kulturellen Einflüsse, verschiedenste Szenen und Styles, und ein Überangebot an tollen Flohmärkten, Vintage- und Designershops, die Berlin für mich besonders machen.

 

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Du lancierst nur eine Kollektion pro Jahr. Willst Du damit der schnell- und kurzlebigen Fashion-Industrie bewusst entgegen wirken?

Mittlerweile haben wir zwei Kollektionen pro Jahr. Die Sommerkollektion fällt aber bewusst kleiner aus. Dennoch ist uns der Focus auf Slow Fashion sehr wichtig. Jedes unserer Kollektionsteile ist handgemacht und wird nachhaltig und fair produziert. Unsere Wertschöpfungskette ist sehr transparent.

 

Auf dem asiatischen, vor allem aber auf dem japanischen Markt verkaufen sich Deine Entwürfe besonders gut. Wie erklärst Du Dir das?

Japan ist generell ein sehr modeaffines Land und die Modebranche spielt als Wirtschaftsfaktor eine große Rolle. In Japan ist man vor allem bereit, auch für weniger bekannte Marken Geld auszugeben und diese oder gerade deswegen wertzuschätzen. Die japanischen Einkäufer kommen nach Paris auf die Modemessen und freuen sich, etwas Neues zu entdecken. Noch dazu ist unsere Kollektion besonders, sie ist komplett handgefertigt und verbindet Modernität mit traditionellem Handwerk. Und Japan ist ein Land, in dem traditionelles Handwerk generell sehr wertgeschätzt wird.

 

Mittlerweile hast Du Deine Produktpalette, die Pullover, Cardigans, Schals, Accessoires, Mützen und Mäntel umfasst, um Interior Design erweitert. Was könntest Du Dir noch vorstellen zu entwerfen?

Ich würde sehr gerne zusätzlich zu den bestehenden Kollektionen eine Kinder Linie entwickeln und auch sehr gerne die Produktpalette der Interior Kollektion erweitern und für diese vielleicht mal wieder eine Präsentation oder Kooperationen mit Shops planen.

 

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Photocredit: PR Maiami, Grafik: Nowadays