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03.05.17

DBMS DESIGNER TALK: JANA PATZ

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Jana, vor, während und auch nach der Gründung Deines Schmucklabels warst Du als Lehrbeauftragte der UDK im Studiengang Design tätig. Was genau hat im Jahr 2010 den finalen Impuls gesetzt, The Medley Institute zu gründen?

Seit 2007 bilde ich junge Modedesignstudierende aus. Ich habe schnell gemerkt, dass es ungemein wichtig ist selber aktiv als Designer zu arbeiten und eigene Erfahrung zu machen. Am aktuellen Diskurs teil zu haben und diesen auch mitzugestalten. So kann ich Impulse zurückgeben, der Austausch mit den Studierenden bleibt auf Augenhöhe und hat eine Aktualität. Das kreiert eine Energie von der beide Seiten profitieren.

Den Impuls hat tatsächlich Stephan Schneider gegeben. Er hat mich damals zu sich nach Paris in seinen Showroom eingeladen, mir als Freund und Mentor wertvolle Hinweise gegeben, mich daran herangeführt im internationalen Kontext meine Entwürfe zu präsentieren und somit den ersten Weg geebnet. Dort habe ich sehr schnell gelernt, dass eine Kohärenz vom Produkt, Präsentation, Preis , Verpackung, Kommunikation enorm wichtig ist.

Ich bin ihm und auch meinen Kollegen aus der UDK bis heut sehr dankbar, dass Sie mich so sehr unterstützt haben.

 

Der Name Medley, das englische Wort für Gemisch, beschreibt Dein eigentliches Arbeiten, zumindest einen Teil dessen, recht präzise. Du verwendest innovative, für den Schmuckbereich untypische Materialien wie beispielsweise Porzellan oder Holz. Wie kamst Du auf diese ungewöhnliche Idee und kann man sich den Herstellungsprozess vorstellen?

Medley —beschreibt das Zusammenspiel von unterschiedlichen Diskursen, Materialien, Funktionen, Produkten und Persönlichkeiten, die Teil des Entwurfsprozesses sind. Unterschiedliche Produkte, die dennoch zusammengehören und nebeneinander stehen können. Unabhängig davon was gestaltet wird, geht es um einen Designansatz und Entwurfsprozess der stark konzeptionell geprägt ist .

Institute — steht für einen Raum, eine Werkstatt, ein Experimentierlabor. Es zeigt den Arbeitsprozess – gemeinsam an einer Idee zu arbeiten. Gegebenes in Frage stellen, nicht den vorhersehbaren Weg gehen, sondern das Hinterfragen, andere Perspektive einnehmen. Wie kann man bestimmten Materialien eine neue Bedeutung geben, diese in einen neuen formellen Kontext setzen?  Zu erfinden – zu experimentieren. Diese Idee & der Arbeitsprozess – also die „Welt”,  die entwickelt wird – spiegelt sich in THE MEDLEY INSTITUTE wieder.

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Produzieren lässt Du Deine Stücke ausschließlich in Deutschland. Du hast beispielsweise mit einer Porzellanmanufaktur aus Thüringen oder mit Goldschmieden aus Berlin zusammen gearbeitet. Kann man sagen, dass Dir Produktionsbedingungen- und stätten enorm wichtig sind?

Ja, das ist mir ganz besonders wichtig! Von der Verpackung bis zum Schmuckstück wird alles in Deutschland produziert. Die Schmuckstücke werden in Pforzheim hergestellt. Vom Polieren, Galvanisieren, bauen – ist es für mich wichtig am gesamten Produktionszyklus teilzuhaben. Im Produktionszeitraum bin ich einmal in der Woche vor Ort und kann so die Qualität überprüfen und nach Lösungen vor Ort suchen. Aber auch der Aspekt – Handwerk, Methoden, Wissen, welches wir hier in unserer näheren Umgebung finden und mancherorts langsam ausstirbt in dem Entwurf zu integrieren und in der Kooperation neue Ansätze zu finden und somit diese ein bisschen mehr mit in die Zukunft zu nehmen.

 

Etwas zu erschaffen, dass mehrere Saisons überdauert und dabei zusätzlich an Wert gewinnt, ist Dein Wunsch, Deine Vision. Möchtest Du damit der schnelllebigen Modeszene bewusst entgegen wirken?

Ich weiß, dass der Markt eine große Neugierde nach Neuem hat, nach Innovation und sehr stark vom Konsum getrieben ist. Dennoch glaube ich, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben und viele alte Strukturen neu hinterfragt werden können. Ich bin auf der Suche nach einem Weg, wie man den Wert von einem Entwurf über eine Saison hinaus erhalten kann. Auch als Wertschöpfung meiner eigenen Arbeit.

Was macht es aus, dass man Dinge stark wertschätzt und nicht nur konsumiert?

Wie generiert sich Wert (nicht nur materiell) ?

Wann entsteht eine persönliche Beziehung zu Objekten?

Wie werden Werte generiert? (Wird etwas wertvoll durch den emotionalen Bezug? )

Wann mag man sich mit einem Produkt über eine Saison hinweg auseinandersetzen?

Wie bleibt etwas beständig – auch in der Form? Gibt es so etwas wie zeitloses Design?

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Deine Stücke sind sehr konzentriert, modern und auf klare kluge Formen reduziert. Woher rührt diese Begeisterung für Minimalismus?

Meine Schmuckstücke versuchen nicht den Aspekt des dekorativen, opulenten oder schmückenden zu thematisieren. Sondern auf der einen Seite eine Formsprache zu finden, die Langlebigkeit hat, die sich zurück nimmt. Die Teile sollen sich mit dem Träger und dem Kleidungsstück verbinden. Materialkontrast sein, ein sinnlicher Kommentar– kein Statussymbol oder Dekor. In der Reduktion empfinde ich Stärke und Emotion. Bis in den kleinsten Millimeter genau die Form und das Material entwerfen, Kantenabschlüsse, Materialdichten etc. – ich hoffe, dass man am Ende die Liebe fürs Detail fühlt. Neben den ganz kleinen, reduzierten Teilen besteht die Kollektion aber auch aus großen Stücken. Ich finde an den größeren Proportionen spannend zu sehen, was das mit der gesamten Silhouette des Trägers macht. Und wie sich das Schmuckstück im Gesamtkontext inszenieren lässt – und so Teil der Silhouette wird. Alle Schmuckstücke haben am Ende aber alle etwas selbstverständliches, pures & konzentriertes.

 

In Mitte befindet sich Dein Atelier. Außerdem bist Du eine der wenigen Ur-Berlinerinnen. Was macht die deutsche Hauptstadt so attraktiv für Dich im Speziellen und für The Medley Institute im Allgemeinen?

Hier gibt es viele Studios von Architekten, Fotografen und Künstlern. Ich liebe diesen unfertigen und kreativen Ort. Er ist ein bisschen wie Berlin – ich mag an Berlin das Zusammentreffen der unterschiedlichsten Persönlichkeiten mit ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Es ist schön zu sehen, wie all die Menschen, die nach Berlin gekommen sind, die Stadt prägen und mitgestalten. Dieser ständige Wandel und die verschiedenen Einflüsse haben eine starke Dynamik. Am Wochenende verbringe ich als Kontrast meine gesamte Freizeit am liebsten im Grünen, in wenigen Minuten außerhalb von Berlin findet sich eine unglaublich schöne Natur.

 

Wo findest Du Inspirationen für Dein Schaffen?

Alles prägt mich, ich kann es gar nicht so genau trennen oder benennen. Es ist so ein magischer Moment aus einem guten Gespräch, einer wertvollen Bobachtung, Musik, das Licht in meinem Studio, der Prozess des Entwurfes…. Wenn ich so darüber nachdenke, merke ich, dass ich oft inspiriert bin von Situationen oder Momenten, die mich irritieren oder Gesten von Menschen. Das Bewusstsein über Dinge, die es nicht gibt oder Fragen, die noch nicht gestellt wurden. Daraus formuliert sich dann oft ein neuer Gedanke, der ausgearbeitet wird.

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Photocredit: Jana Gerberin für The Medley Institute