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19.04.17

DBMS DESIGNER TALK: HIEN LE

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Hien, dass Du Teil der Modewelt sein wolltest, stand schon im Alter von 12 Jahren fest. Nach einer Schneiderlehre, Aufenthalten im Ausland und diversen Praktika bei Designern und PR-Agenturen, bist Du zurück nach Berlin gekommen, um Modedesign zu studieren. 2010 war es dann soweit und Du hast Dein eigenes Label gegründet.

Es war nie mein Wunsch, mich selbständig zu machen und mein eigenes Label zu gründen. Davor hatte ich hatte immer viel zu großen Respekt. Deshalb stand für mich auch seit jeher fest, dass ich nach dem Studium in einer Firma arbeiten möchte. Mode-PR hat mich schon immer interessiert. Dementsprechend hab ich erstmal ein Praktikum in diesem Bereich absolviert und bin dadurch in den Sales Bereich gerutscht. Trotzdem hat mir etwas sehr gefehlt: Das ganze Handwerkliche, der Schaffensprozess von der Idee zur Entwicklung, der Umgang mit Stoffen etc. Aus diesem Grund habe ich das, was ich wirklich liebe mit dem verknüpft, was ich in den letzten zwei Jahren durch meinen Beruf gelernt habe. So kam es zur Gründung von Hien Le.

Also habe ich meinen Job gekündigt, ein Coaching-Programm durchlaufen, um mich mit dem Businesspart auseinanderzusetzen, und mich erkundigt, welche Förderprogramme es gibt. Das war 2010. Kurz danach habe ich meine erste Kollektion im Rahmen eines Showrooms zur Fashion Week ausgestellt und hatte Glück, dass diese extrem positiv von der Presse und den Einkäufern angenommen wurde. Trotz des guten Starts ist aller Anfang schwer – und das ist es immer noch. Jedoch bereue ich meine Entscheidung in keiner Weise und würde es jederzeit wieder tun! In den letzten Jahren habe ich immens viel gelernt, egal ob positiv oder negativ. Dass es ein hartes Business ist, wusste ich immer schon, aber ich war bereit und es hat sich richtig angefühlt.

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Dein Großvater war Schneidermeister in Laos. Hat er Dich inspiriert?

Ich habe diese Entscheidung unabhängig von meinem Großvater getroffen. Aber so oder so war er natürlich immer eine große Inspiration für mich. Wie bereits erwähnt, wollte ich schon mit 12 Jahren in die Modebranche. Eine Dokumentation darüber war der ausschlaggebende Impuls. Als ich nach dem Abitur eine Schneiderlehre angestrebt habe, hat das meinen Opa natürlich sehr stolz gemacht. Obwohl er Schneidermeister war, ist abgesehen von mir, keins seiner zehn Enkelkinder in seine Fußstapfen getreten.

Generell finde ich das Leben und die Menschen, vor allem die, die mich umgeben, ungemein inspirierend. Inspiration finde ich eigentlich überall – sei es auf Reisen, in der Kunst, der Literatur, in Filmen oder der Musik. Wenn mir etwas nicht mehr aus dem Kopf geht, dann ist das oft ausschlaggebend für meine Kollektion.

 

Deine Entwürfe überzeugen nicht nur durch Schlichtheit, Eleganz und Stil, sondern auch durch Qualität und die extrem hochwertige Stoffauswahl. Nach welchen Kriterien suchst Du diese aus und wo werden Deine Entwürfe produziert?

Ich besuche unterschiedliche Stoffmessen und Stofflieferanten. Ich suche gezielt danach, was ich selber tragen würde. Dabei spielt die Farbe und oder das Muster natürlich eine tragende Rolle. Die Musterkollektion fertigen wir zu 70% in-house an, der Rest wird in Zusammenarbeit mit Näherinnen gefertigt. Die Produktion selbst findet zu 80% in Berliner Produktionsstätten statt; die anderen 20% verteilen sich je nach Produktgruppe über Deutschland. Alles ist ausschließlich „Made in Germany“.

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Du lebst und arbeitest in Berlin, bist hier aufgewachsen. Warum gerade die deutsche Hauptstadt? Was macht diesen Standort so attraktiv für Dich persönlich im Speziellen und für Dein Label im Allgemeinen?

Ich bin hier aufgewachsen – Berlin ist mein Zuhause, meine Heimat. Warum sollte ich also wegziehen? Es bot sich an, mein Label hier zu etablieren. Zumal Berlin im Vergleich zu anderen Städten noch recht günstige Lebenserhaltungskosten hat. Ich denke, das machte es auch für andere Kreativschaffende interessant.

 

Gerade befindest Du Dich in der Kollektionsvorbereitung und -fertigung. Kannst Du schon verraten, auf was man sich besonders freuen kann?

Von der Fertigung bin ich noch weit entfernt. In den letzten Wochen habe ich die finalen Auslieferungen für die Frühling/Sommer 2017 Kollektion hinter mich gebracht und bin jetzt dabei zu recherchieren, welche neue Kollektion ich machen möchte. Ideen gibt es zwar schon viele, auch einige Entwürfe stehen bereits – zumindest in meinem Skizzenbuch. Aber viel kann ich darüber leider noch nicht sagen.

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Bereits seit Deinen Anfängen fertigst Du sowohl Männer- als auch Frauenkollektionen, was recht außergewöhnlich ist. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich fand das damals gar nicht so außergewöhnlich. Viele der großen Designer haben das schon immer gemacht. Oft mit dem Unterschied, dass sie diese getrennt voneinander gezeigt haben. Beides hat mich interessiert – warum es also nicht einfach verbinden? Es ist ja trotzdem immer nur eine Kollektion, die unter dem gleichen Thema entsteht, das gleiche Farb- und Stoffkonzept hat und sich nur minimal unterscheidet. Viele Teile können sowohl von Frauen als auch von Männern getragen werden.

 

Dass die Modebranche teilweiße nervenaufreibend sein kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Woher nimmst Du Deine Energie und wo findest Du im Umkehrschluss Ruhe?

Ja, dafür braucht man einen langen Atem. Aber ich liebe was ich tue und es ist das, was ich schon immer machen wollte. Die positive Resonanz ermutigt mich weiter zu machen. Aber auch die Unterstützung meiner Familie und Freunde – das erdet mich! Jedoch musste ich lernen meine Energie einzuteilen, besser auf mich zu achten und zu realisieren, dass ich nicht allein für die Arbeit leben kann. Man braucht immer einen Ausgleich. Diesen Ausgleich, diese Ruhe habe ich im Yoga gefunden. Mittlerweile mache ich das bis zu fünfmal die Woche. Zeit, in der ich mal etwas nur für mich tue!

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Photocredit: Hien Le

Grafik: NOWADAYS