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17.05.17

DBMS DESIGNER TALK: ANTONIA ZANDER

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Antonia, Dein nach Dir benanntes Label Antonia Zander wurde bereits 1980, als Du vier Jahre alt warst, gegründet. Eigentlich recht ungewöhnlich, oder? 

Meine Eltern sind nach meiner Geburt von Köln ins Chiemgau gezogen, haben dort einen alten Bauernhof gekauft und restauriert. Trotzdem wollte meine Mutter gerne wieder in der Mode arbeiten und hat sich dann mit einer eigenen Kollektion selbständig gemacht. Sie selbst heißt Elke und sie empfanden “Elke Zander” nicht gerade als international und haben meinen Vornamen genommen, der in fast allen Sprachen gut auszusprechen ist. Meine Schwestern hatten da mit Andrea – Männername in Italien- und Alexandra – zu lang? -das Nachsehen.

 

Traditionelle Damenschneiderlehre parallel zum AbiturModedesign Studium an der renommierten ESMOD, erste Erfahrungen bei Kostas MurkudisWar es Dir von Anfang an klar, dass Du das Label übernehmen wirst? 

Gar nicht. Ich wollte keinen Strick machen und habe das Label auch nicht direkt übernommen, sondern über Umwege. Mit Mitte 20 kann man sich nicht vorstellen in die starren Strukturen einer elterlichen Firma einzutreten. Ich habe dann mit meinem eigenen Geld meine erste Kollektion auf der Premium in Berlin, damals noch im Tunnel, gezeigt und habe nur den Namen übernommen. Meine Eltern haben mich immer machen lassen, standen mir nur auf Nachfrage zur Seite – von ihnen habe ich eigentlich alles gelernt. Ohne sie und ihr Wissen hätte ich es nicht geschafft!

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Dein Cashmerestrick wird in italienischen Manufakturen gefertigtWie kann man sich den eigentlichen Schaffungs- und Produktionsprozess vorstellen?

Ich arbeite eigentlich seit Anfang an mit den selben italienischen Cashmere-Lieferanten Cariaggi und Loro Piana. Leider wird bei den Qualitäten viel betrogen und “gepantscht”. Es gibt gar nicht so viele Ziegen, wie Cashmere auf dem Markt und mittlerweile werden selbst Fasern von anderen Tieren so lange chemisch und mechanisch bearbeitet, bis sie unter dem Mikroskop aussehen wie die von der Cashmereziege. Deshalb sollte man mit Partnern zusammenarbeiten, denen man vertrauen kann und selbst Wert auf höchste Qualität legen. Mit den Strickern arbeite ich auch schon seit Jahren zusammen – mit einer sogar in zweiter Generation: erst die Mütter, jetzt die Töchter.  Wenn man sich so lange kennt, fällt die Entwicklung neuer Kollektionen leichter: sie kennen meine Handschrift, meine Ansprüche und setzen die Teile entsprechend um. 

 

Vor zwei Saisons hast Du Deine erste Ready-to-Wear Kollektion gelauncht. Wie kam es zu dem Schritt?

Da habe ich mir den Traum erfüllt, den ich seit jeher hatte! Wenn man eine Schneiderlehre und ein Faible für perfekte Schnitte hat, möchte man diese Herausforderung auch irgendwann annehmen. Erst in der Kombination aus Ready-to-wear und Strick kann ich den AZ-Stil richtig ausdrücken. Es macht wahnsinnig viel Spaß, den total Look zu zeigen und nicht nur einen traurigen einsamen Pulli am Kleiderständer…

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Seit nunmehr zwei Saisons bist Du fester Bestandteil des BERLINER MODE SALON. Du lebst und arbeitest jedoch in der bayerischen Landeshauptstadt. Was fasziniert Dich persönlich an der Berliner Modeszene?

Ich habe in Berlin Modedesign studiert zu einer Zeit, als fast jeder Straßenzug im Osten noch unrenoviert war. Wir waren alle wie elektrisiert von dem Spirit damals, jeden Tag konnte man die Veränderung miterleben und war ein Teil von etwas Großem, etwas Neuem! Dagegen ist das Berlin von heute schon fast “zahm”, und trotzdem hat es als eigentlich einzige deutsche Stadt den Drive und die Exzentrik anderer internationaler Weltstädte. Nicht nur in der Mode, gerade auch in der Kunst, Kultur und Architektur – es gibt keine andere Stadt in Deutschland, in der deutsche Mode besser präsentiert werden könnte!

 

Dass die Modebranche teilweiße nervenaufreibend sein kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Woher nimmst Du Deine Energie und wo findest Du im Umkehrschluss Ruhe?

Aus dem Grund ist München für mich die richtige Heimat: das Chiemgau ist seit meiner Kindheit mein Kraft- und Ruheort. Die bayerischen und österreichischen Berge oder auch das benachbarte Italien sind für mich die beste Energiequelle! Natur und Einsamkeit bringen mich immer wieder runter und erden mich. Und die Menschen um mich rum, die mir immer zur Seite stehen, helfen mir, Ruhe zu bewahren. Zu guter Letzt ist da mein Hund, der mir jeden Tag sehr deutlich macht, wann es reicht!

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Photocredit: PR Antonia Zander

Grafik: NOWADAYS